Geburtsberichte

Auf dieser Seite werden Berichte von Frauen zur Verfügung gestellt, die seit den erhöhten Infektionsschutzmaßnahmen in einer der Geburtskliniken in Heidelberg ihr Kind geboren haben.

Wie haben Frauen die Geburt erlebt? Lief „trotz Corona“ alles gut? Was könnte besser laufen? Worauf sollten Eltern unbedingt achten, wenn in naher Zukunft eine Geburt in einer der Kliniken ansteht?

Hier geht es darum, aus Erfahrungen zu lernen – und hoffentlich zu sehen, dass auch in Zeiten von Corona Geburten gut betreut werden können.

Geburtsbericht „Entbindung in Zeiten von Corona im St. Josefskrankenhaus Heidelberg“ (erhalten im Mai 2021)

 „Wir betreten die Klinik durch die Liegendeinfahrt, denn der Haupteingang ist gesperrt. Wir werden direkt zur Aufnahme geschickt. Mein Mann darf mich von Anfang an begleiten. Wir müssen FFP2-Masken tragen, auch alle Mitarbeiter tragen FFP2-Masken. Ich gehe alleine zur Anmeldung, mein Mann wartet draußen.  Natürlich haben wir uns beim betreten des Krankenhauses die Hände desinfiziert. Auf Station angekommen werden wir in ein Vorbereitungszimmer gebracht, dort wird zunächst das CTG geschrieben. Die Hebamme trägt lediglich eine FFP2-Maske, sonst werden keine weiteren Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Nach circa einer Stunde werden wir in ein  Vorwehenzimmer  gebracht. Nach einer Weile kommt die Hebamme, in voller Montur mit Haube, Überschuhen, Kittel und Handschuhen. Wir bekommen beide einen Schnelltest auf Corona und ich muss zusätzlich noch einen PCR Test machen. Nachdem der Schnelltest  negativ ist, darf ich meine Maske ausziehen.  Trotz enorm hoher Inzidenzen arbeiten Praktikant*innen auf der Station. Während der Geburt, sind mit mir, sechs Personen anwesend.

Mein Mann lässt sich mitaufnehmen, wir haben ein Familienzimmer. Besuch darf jetzt nicht mehr kommen, da wir zu zweit sind. Hätte er sich nicht mit aufnehmen lassen, hätte jeden Tag  ein Besucher, für  eine halbe Stunde kommen dürfen. Die Hebamme,  welche mich unter der Geburt begleitet hat, besteht unsererseits nicht auf das Tragen einer Maske nach der Entscheidung. Generell ist es Vorschrift eine Maske zu tragen, wenn das Personal das Zimmer betritt.

Im Kinderzimmer, wo die Kinder gewickelt werden, darf immer nur ein Paar eintreten. Alles ist ein wenig anders, als bei der ersten Geburt. Wir haben auch extra Windeln und Feuchttücher aufs Zimmer bekommen. Man traf im Kinderzimmer Fachpersonal, welches beratend zur Seite stand, da man sein Baby nun aber doch eher Zimmer wickelt, fehlt dieser Kontakt.  Die Hebammen beziehungsweise die Krankenpfleger*innen auf der Wöchnerinnenstation  machen natürlich regelmäßig einen Durchgang, aber dennoch sieht man kaum jemanden um Fragen zu stellen. Ich bin froh dass das nicht mein erstes Kind ist und ich eigentlich keine Fragen hatte.

Ich fühlte mich unter der Geburt sehr gut betreut. Ich kann nicht sagen, ob es an Corona lag oder an der Hebamme beziehungsweise der aktuellen Patientenlage, aber die Hebamme war die letzten anderthalb Stunden an meiner Seite.

Es war gut zu wissen, dass mein Mann von Beginn an dabei sein durfte. In manchen Kliniken, durften im ersten Lockdown die Begleitpersonen erst kurz vor der  Austreibungsphase kommen. Für uns wäre das ein Grund gewesen, dass mein Mann gar nicht erst kommt. Zu seiner Sicherheit, man ist in so einem Moment einfach nicht bei der Sache. Er hätte es auch definitiv nicht geschafft.“

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Geburtsbericht von Löwenmama (erhalten im März 2021)

„Als wir um 1 Uhr in der Nacht in der Klinik St. Elisabeth ankamen, warteten wir mit einem anderen Paar zusammen vor dem Kreißsaal. Nach ca. 30 Minuten wurde ich an das Ctg angeschlossen, dieses zeigte keine Wehen an. Als aber der Befund Geburtsreif war, durften wir bleiben und haben das letzten verfügbare Familienzimmer erhalten. Ich und mein Partner haben ein Schnelltest und ich zusätzlich noch ein PCR Test gemacht. Nachdem die Schnelltests negativ ausfielen durften wir weiterhin im Raum warten und wurden zeitnah auf unser Zimmer gebracht. Immer wenn die Hebammen/ Stationspflegerinnen in unser Zimmer kamen, mussten wir eine Maske aufziehen. Insgesamt wurde häufig nach uns geschaut, eine Maske sollte aber immer direkt parat liegen. Alle drei Stunden ging es für mich zum Wehenschreiber. Da durfte ich auch meine Maske abnehmen, wenn niemand im Raum war. Nachdem festgestellt wurde, dass ich eine Wehenschwäche hatte, wurde ich nach guter Beratung und Aufklärung in den Kreißsaal zum Einleiten gebracht. Ich durfte ganze 8,5 Stunden im Kreißsaal verbringen, mich ausruhen und geduldig auf den Beginn der Geburt warten. Mein Partner durfte überall mit und als es dann hieß , dass der MuMu komplett offen ist und meine Fruchtblase platze, erinnerte mich die sehr nette Hebamme daran, dass ich ab jetzt die Maske nicht mehr aufsetzen brauche. Unter der Geburt war ich also mit Partner und Hebamme im Raum, Corona war da (zum Glück) kein Thema. Nach 30 Minuten war der kleine Mann dann auch schon da. Als ich genäht wurde und auf die Mutter- Kind Station kam, durfte ich die Maske auch aus lassen. Es wurde sich sehr um mein Wohlbefinden gekümmert und stark abgewägt, was am wichtigsten ist. Auch die ersten Tage mit Baby durfte mein Partner dank des Familienzimmers mit mir in der Klinik erleben. Dazu muss erwähnt werden, dass er die Klinik nicht hätte verlassen dürfen. Hätte er das gemacht, wäre er nicht mehr rein gekommen. Insgesamt war die Geburt jedoch eine tolle Erfahrung und ich habe mich durch Corona nicht eingeschränkt gefühlt.“